Kommen Sie so schnell wie möglich in die Praxis!
Zeit spielt bei einem Zahnunfall die entscheidende Rolle für den Erfolg und Erhalt des Zahnes. Dies gilt besonders für bleibende Schneidezähne. Ebenfalls sehr wichtig ist, wie ein ausgeschlagener Zahn oder Teilzahn gelagert wird, bis er wieder eingesetzt wird.

 

Folgendes sollten Sie beachten:

  • Ausgeschlagene Zähne oder Zahnteile suchen und so schnell wie möglich in eine Zahnrettungsbox legen. Sie können sie in Apotheken und Online-Shops bestellen. Hier können Zähne bis zu 48 Stunden aufbewahrt werden.
  • Ist keine Rettungsbox vorhanden, eigenen sich kalte H-Milch (max. 1-2 Stunden) oder das Einschlagen in Frischhaltefolie (ca. 60 Min.) für die Aufbewahrung.
  • Fassen Sie den Zahn nur an der Krone (Kaufläche), nie an den Wurzeln an.
  • Den Zahn nicht säubern oder desinfizieren.
  • Lagern Sie den Zahn keinesfalls trocken legen Sie in nicht in Wasser ein.
  • Bringen Sie den Zahn unbedingt mit zum Zahnarzt.

 

Bei Zahnunfällen mit Milchzähnen gilt: Im Zweifelsfall wird der bleibende Zahn gerettet. Das bedeutet: Sollte die Behandlung den Zahnkeim des bleibenden Zahns beschädigen oder gefährden, wird lieber der Milchzahn geopfert. Abgebrochene Teile eines Milchzahns können in den meiste Fällen mit Kunststoff restauriert werden.

 

Hier finden Sie weitere Informationen:
Informationsblatt zum Thema Zahnrettung bei Unfällen
Flyer Zahnrettungsbox
Standortkarte von Zahnrettungsboxen

(Quelle Text und Bild: www.zahnrettungskonzept.info)

Wo die Bürste nicht hingelangt, schützt eine Versiegelung.

Die Fissurenversiegelung der bleibenden Backenzähne, die seit langem Teil der zahnärztlichen Standardleistungen ist und von den Krankenkassen übernommen wird, scheint mehr und mehr Zweifel auszulösen. Wir hoffen, durch eine umfassende Aufklärung unserer Patienten Klarheit zu schaffen und das Vertrauensverhältnis stärken zu können. Denn auch unser erstes Anliegen ist, die Zähne unserer jungen Patienten möglichst lange kariesfrei zu erhalten.

 

Anders als die Frontzähne weisen die Backenzähne tiefe Rillen und Grübchen auf, die von der Natur so geformt wurden, um eine optimale Kauleistung zu erzielen. Die Rillen, oder Fissuren im Fachjargon, sind allerdings teilweise so tief und schmal, dass sich dort sehr leicht Speisereste festsetzen und durch die dicken Borsten einer Zahnbürste auch nicht mehr entfernt werden können. Einige Rillen weisen sogar eine Tropfenform auf mit schmalem Eingang und dahinter einer Art Hohlraum, die der häuslichen Mundhygiene gar nicht zugänglich ist. Die Empfehlung lautet daher, diese Rillen mit einem dünnfließenden Kunststoff zu füllen, um eine bessere und vor allem lückenlose Reinigung der Zähne vollziehen zu können.

 

Voraussetzung für eine Versiegelung ist selbstverständlich, dass noch keine Karies vorhanden ist. Minimale beginnende Karies-Stellen oder Verfärbungen können vor dem Versiegeln entfernt werden, was einer sogenannten „erweiterten“ Fissurenversiegelung entspricht. Falls anhand der visuellen Inspektion nicht genau zu beurteilen ist, ob sich eine kariöse Läsion im Zahn versteckt, müssen eventuell weitere diagnostische Maßnahmen, wie zum Beispiel ein Röntgenbild, folgen.

 

Aus diesem Grund sollten die Zähne möglichst früh, bevor sich bereits Verfärbungen gebildet haben, versiegelt werden, also am besten knapp nach dem Durchbruch.

 

Teilweise weisen auch Milchzähne oder andere bleibende Zähne tiefe Rillen oder Grübchen auf. Besonders Patienten mit Defiziten in der Mundhygiene oder unregelmäßigem Erscheinen beim Zahnarzt sollen laut der aktuellen Leitlinie auch an diesen Zähnen Versiegelungen empfohlen werden.

 

Wie läuft die Versiegelung ab?
Der zu versiegelnde Zahn muss in jedem Fall frei von Speiseresten und jeglichen Belägen sein. Gegebenenfalls muss vorab eine kurze Zahnreinigung stattfinden. Anschließend muss sichergestellt werden, dass der Zahn während der Behandlung nicht mit Speichel in Kontakt kommt, da dann die Haltbarkeit der Versiegelung eingeschränkt sein kann.

 

Anhand eines Gels, welches kurz auf dem Zahn einwirken muss, wird die Zahnoberfläche „konditioniert“. Das Mikrorelief der Schmelzprismen wird also auf die Verklebung mit dem Kunststoff vorbereitet. Auch dient dieser Schritt der endgültigen Entfernung von Speichel und anderen Schmierschichten auf dem Zahn. Nach dem gründlichen Abspülen des Gels erfolgt eine Trockenlegung des Zahnes, zumeist anhand Sauger, Luftpüster und Watterollen. Die Rillen werden nun mit einem Lack eingepinselt, der den chemischen Verbund zwischen Zahn und Kunststoff herstellt. Es folgt der dünnfließende Kunststoff, der die Rillen füllt. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass wirklich nur die nötigen Stellen mit dem Lack abgedeckt werden. Zuletzt wird der Lack anhand einer UV-Lampe ausgehärtet. In manchen Fällen muss die Versiegelung noch eingeschliffen oder poliert werden, um einen optimalen Zusammenbiss zu gewährleisten. Oft wird im Anschluss der behandelte Zahn zusätzlich fluoridiert.

Falls die Versiegelung nicht optimal eingeschliffen ist, der Patient stark mit den Zähnen aufeinander reibt oder falls die Lacke bei der Behandlung doch mit Speichel oder feuchtem Atem in Kontakt kamen, kann es sein, dass Versiegelungen herausfallen. Regelmäßige Kontrollen der Versiegelungen sind daher unbedingt notwendig. Gerade eine nur teilweise intakte Versiegelung birgt die Gefahr von Retentionsstellen für Plaque und somit für Karies.

 

Aus gesundheitlichen Gründen abzulehnen ist eine Versiegelung nur bei einer nachgewiesenen Allergie auf die verwendeten Materialien.

 

Die neue Leitlinie für Zahnärzte empfiehlt eine Versiegelung der Backenzähne, da das Auftreten von Karies bei Kindern und Jugendlichen seit Einführen der standardisierten Versieglung deutlich zurückgegangen ist. Wissenschaftliche Studien haben hinzukommend bewiesen, dass Versiegelungen das Auftreten und das Fortschreiten von Karies verhindern können. Diese Empfehlung leiten wir daher genauso an Sie weiter.

 

Wenn Sie Fragen zu diesem oder einem anderen Thema haben, sprechen Sie uns gern bei Ihrem nächsten Termin an!

 

Ihr Praxis Team Dr. Melanie Elger

 

 

(Anlässlich des Artikels „S3-Leitlinie Fissuren- und Grübchenversiegelung“ in Oralprophylaxe Kinderzahnheilkunde, Ausgabe März 2016)

Wenn schlechte Zähne vererbt werden: Amelogenesis imperfecta.

Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine über die Welt verteilt sehr unterschiedlich häufig auftretende Erbkrankheit. Am häufigsten ist sie in Schweden zu finden, dort kommt durchschnittlich eines von 718 Kindern mit dieser Krankheit zur Welt. Viel seltener ist sie dagegen in den USA, wo nur jedes 16.000ste Kind an Amelogenesis imperfecta leidet. Doch was genau bedeutet das für die Betroffenen?

 

Bei den Patienten mit Amelogenesis imperfeta sind bestimmte Gene, die für die Zahnschmelzbildung verantwortlich sind, mutiert. Je nachdem, um welches dieser Gene es sich handelt, wird die Krankheit entweder immer oder nur unter bestimmten Umständen vererbt. Meistens bedeutet das, dass alle Zähne, also sowohl die Milchzähne als auch die bleibenden Zähne, eine Fehlbildung des Zahnschmelzes aufweisen. Nur selten kommen lokalisierte, also auf einzelne Zähne begrenzte Formen vor.

Obwohl das klinische Erscheinungsbild der Amelogenesis Imperfecta recht unterschiedlich ausgeprägt sein kann, ist die Diagnosestellung meist eindeutig. Neben Untersuchung und Röntgenbildern sollte auch nach eventuell bekannten Fällen der Krankheit im Familienkreis gefragt werden.

 

Es werden vier Typen unterschieden:

 

Typ 1 (60-73% der Fälle): Hypoplasie des Zahnschmelzes

Die Zähne sind weiß-gelblich mit einem dünnen Schmelzmantel. Sie sind normal hart, können aber Anzeichen von Absplitterungen, Furchen und Rillen und eine raue Oberfläche aufweisen.

 

Typ 2 (20-40% der Fälle): Hypomaturation des Zahnschmelzes

Hier weisen die Zähne zunächst eine normale Form und Schmelzdicke auf, dazu eine sehr matt-weiße Oberfläche. Allerdings ist der Schmelz weniger hart und splittert daher nach dem Durchbruch des Zahnes häufig schnell, sodass die Zähne im Verlauf Furchen und Grübchen aufweisen und orange bis braun verfärben.

 

Typ 3 (7% der Fälle): Hypokalzifikation des Zahnschmelzes

Zunächst weisen die Zähne eine normale Form und Schmelzdicke auf. Aufgrund der weichen Konsistenz der Zähne, geht dieser Schmelz dann in kürzester Zeit verloren. Hinzu kommen leichte bis sehr dunkle Verfärbungen.

 

Typ 4 (selten): Hypoplasie/Hypomaturation und Taurodontismus

Bei dieser Form der Amelogenesis imperfecta kommt es zu kleinen, fehlgebildeten Zähnen ohne Absplitterungen.

 

Häufig leiden Patienten mit Amelogenesis imperfecta noch an Begleiterscheinungen wie häufigen Zahnfleischentzündungen oder – wucherungen, verzögertem Zahndurchbruch, Zystenbildung, Nichtanlagen von Zähnen oder frühzeitiger Wurzelauflösung. Manchmal kann das veränderte Aussehen der Zähne auch zu einem gestörten Sozialverhalten bis hin zu schweren psychischen Problemen führen. Außerdem sind diese Zähne häufig sehr empfindlich auf Kälte- oder mechanische Reize.

 

Regelmäßige Untersuchungen beim Zahnarzt sind für alle Patienten mit Amelogensis imperfecta das A und O. Die Therapie und der Verlauf der Krankheit sind aber von Patient zu Patient unterschiedlich. Leichte Formen oder Ausprägungen im Milchzahngebiss können manchmal sogar unter regelmäßiger Beobachtung und Fluoridierung unbehandelt bleiben. Bei anderen Fällen müssen alle Zähne mit Kunststoff gefüllt und aufgebaut werden. Und noch andere Fälle sind so stark ausgeprägt, dass aufwendiger Zahnersatz zum Tragen kommt. Das Behandlungsziel ist in jedem Fall, dass der Patient wieder beschwerdefrei ist, ohne funktionelle Einschränkungen leben kann und fortan ein glückliches Lächeln zeigen kann.

 

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema oder einem anderen haben, sprechen Sie uns gern bei Ihrem nächsten Besuch darauf an.

 

Ihr Praxis-Team Dr. Melanie Elger

 

 

(anlässlich des Artikels „Amelogenesis imperfecta – Eine Genotyp-Phänotyp-Studie“ in „Oralprophylaxe Kinderzahnheilkunde“, Ausgabe März 2016)

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